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vom 27.09.2008


Sein schönster Rastplatz ist die Blumenwiese


Der aktuelle Gartentipp (15): Arnold Frischhut ist Lkw-Fahrer, in der Freizeit kümmert er sich um 4500 Dahlien


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In seinem farbenfrohen Dahlien-Feld fühlt sich Arnold Frischhut wohl - das sei ein guter Ausgleich zu seinem Beruf als Lastwagenfahrer, sagt er.
 
 



Von Katharina Ellmayer
Falkenberg. Tagsüber ist Arnold Frischhut als Lastwagen-Fahrer auf Deutschlands Straßen unterwegs, seine Abende verbringt er in der Natur. Dahlien sind seine Leidenschaft. Über 33 000 registrierte Sorten gibt es insgesamt, 2000 davon stehen in seinem Garten, den er inzwischen zu einem Schaupark umfunktioniert hat - dem drittgrößten für Dahlien im gesamten süddeutschen Raum. Jährlich kommen bis zu tausend Besucher aus ganz Bayern nach Falkenberg, um sich an seiner Blumenwiese zu erfreuen.
„Angefangen hat alles vor elf Jahren", erzählt der 41-Jährige, „damals habe ich in drei Kübeln Dahlien gepflanzt." Ein kleines Feld folgte, später ein größeres, auf dem inzwischen um die 4500 Blumen in den unterschiedlichsten Formen und Farben blühen. Warum im bunten Blumenmeer keine einzige blaue oder braune Dahlie zu sehen ist, liegt an den Genen der Korbblüter, in denen der Farbstoff Delphinidin fehlt. Dennoch gibt es kaum eine andere Pflanze, die eine so große Artenvielfalt bietet. Das war auch einer der Gründe für den gelernten Koch, sich gerade auf Dahlien zu spezialisieren. „Außerdem ist die lange Blütezeit wunderbar", schwärmt er. Dahlien blühen ab Juni bis zum ersten Frost.

Eigene Züchtung auf dem Prüfstand
Für die Farbenpracht im eigenen Garten kann sich auch Arnolds Frau Katja begeistern. „Allerdings schaut sie sie lieber an, als dass sie sich um die Aufzucht kümmert", sagt der Vater einer fünfjährigen Tochter lachend, „sie erinnert mich oft daran, dass ich es ein bisschen übertreibe mit den Blumen. Da muss ich ihr zustimmen und denke jedes Mal: So, jetzt reicht's! Größer mache ich das Feld nun wirklich nicht mehr!"
Die Vorsätze halten nie lange. Für nächstes Jahr hat Arnold Frischhut neue Pläne: Zum ersten Mal will er bei der Dahlien-Neuheitenprüfung, die die Deutsche Dahlien-, Fuchsien- und Gladiolen-Gesellschaft veranstaltet, teilnehmen. Eine „Kandidatin" hat er auch schon. Sie ist weiß und hat eine volle Blüte. Bewerten wird die Jury unter anderem Höhe, Laub, Dichte und Farbe der Blüten.
Frischhut gibt sich nicht mit dem Pflanzen von bereits registrierten Dahliensorten zufrieden. Mit Stolz erfüllen ihn vor allem seine eigenen Züchtungen.
Hierfür entnimmt der Hobbygärtner besonders schönen Pflanzen den Samen, trocknet ihn und sät ihn im Mai aus. Was in den kommenden Wochen aus dem Boden sprießt, sind keine identischen Abbilder der Mutterpflanze, sondern individuelle Züchtungen, die ein komplett neues Genprogramm besitzen. Das ist den Bienen zu verdanken. Sie bestäuben die Dahlien im Sommer und vereinen so den Blütenstaub unterschiedlichster Sorten.
Auch die Möglichkeit der gezielten Handzüchtung gibt es. Der Gärtner kreuzt zwei ausgewählte Pflanzen miteinander, indem er den Blütenstaub von einer auf die andere Blüte überträgt. „Dieses Verfahren ist äußerst mühsam, da man genau den richtigen Moment erwischen muss", erklärt Frischhut, der sich inzwischen dazu entschlossen hat, die Bestäubung der Natur zu überlassen. „So entstehen auch wunderschöne Sorten", sagt er und blickt auf sein farbenfrohes Feld.
Die einfachste Methode der Vermehrung ist, im Herbst die Knolle der verblühten Dahlie aus der Erde zu nehmen und sie im nächsten Frühjahr wieder auszusetzen. Vegetative Vermehrung wird diese Variante genannt. Es entstehen dadurch immer identische Sorten, da das Genprogramm nicht verändert wird.
„Im Grunde sind Dahlien sehr pflegeleicht", sagt der Brummi-Fahrer. Wenn man ein paar Kleinigkeiten beachtet, könne man auch als ungeübter Hobbygärtner Erfolg bei der Aufzucht verbuchen.
Damit die Blumen richtig gedeihen, sollte man mit dem Aussetzen der Knollen bis zum Mai warten. Stattdessen beginnen viele schon im April mit der Pflanzung. „Das ist ein Fehler. Im Frühling ist der Boden noch feucht und kalt, da verfault die Knolle im Boden", warnt der 41-Jährige. Erst mit Hilfe von Wärme kann das Wachstum beginnen. Ideal für die Aussaat ist die Zeit nach den Eisheiligen (11. bis 15. Mai).
„Am besten ist es, wenn man die Knolle etwas präpariert. Von den zehn bis 20 Trieben sollte man maximal fünf dran lassen", rät Frischhut auf. So habe man zwar weniger Pflanzen, dafür werden diese deutlich robuster. Beim Aussetzen großer Dahlien hält er einen Pflanzabstand von 40 bis 50 Zentimetern für ideal. Der Standort sollte sonnig sein.
Im Frühjahr düngt er seine Dahlien ein- bis zwei mal; öfter sei das nicht nötig. Wasser benötigen sie jedoch immer ausreichend. Täglich geht der Hobbygärtner mit dem Gartenschlauch über seine Felder und genießt dabei den Blick auf seine Blumenwiese. „Das ist für mich die reinste Erholung und ein Ausgleich zu den vielen grauen Straßen, die ich untertags sehe", sagt der Lastwagenfahrer. Als Arbeit würde er die Zucht und Pflege seiner Dahlien nicht bezeichnen.

Im Sommer gießen und genießen
„Stehen die Pflänzchen im Mai erstmal draußen, ist das Gröbste schon geschafft", sagt Frischhut. Lediglich das Aufbinden der hoch gewachsenen Dahlien gehört zur „Sommerpflege" der Korbblüter. Dafür nimmt er jeweils einen Stock und befestigt daran den Hauptstamm locker mit einer Schnur, damit ein Abknicken durch Wind oder die eigene Schwere der Pflanze verhindert werden kann.
Wie bei anderen Pflanzen auch, sollte man des weiteren darauf achten, dass vertrocknete Blüten entfernt werden, da sonst die Blühwilligkeit nachlassen kann.
Zum Ende des Sommers empfiehlt Arnold Frischhut, die ausgetrockneten Pflanzen stehen zu lassen, bis sie sich schwarz färben. „Im Herbst setzt die Knollenreifung ein. Will man im folgenden Jahr wieder Dahlien ziehen, muss man auf die Knolle Acht geben", rät er. Für den Fall, dass jemand den Sommer über gedüngt hat, ist es wichtig, spätestens ab September keine künstlichen Stoffe mehr einzusetzen, „sonst saugt die Knolle diese auf und übersäuert".
Die Pflanze schneidet Frischhut ein bis zwei Wochen nach ihrem Absterben zirka fünf Zentimeter über dem Boden ab und gräbt die Knolle aus. Die Überwinterung ist ein zentraler Punkt in der Aufzucht von Dahlien. „Während viele Leute die Erde gründlich abwaschen, lasse ich sie dran", sagt der Hobbygärtner. Ziel ist es, die Knolle möglichst gut zu schützen und feucht zu halten. Hierbei leistet die Erde einen wichtigen Beitrag.
„Gelagert werden sollten die Dahlienknollen während der kalten Monate idealerweise in Kisten in einem nicht zu feuchten, aber auch nicht zu trockenen Raum. Am wichtigsten ist, dass er frostfrei ist", informiert der Familienvater, dem ein umfunktionierter Stall als Aufbewahrungsraum dient.
Arnold Frischhut stellt seine 4500 Dahlien nicht nur zur Besichtigung zur Verfügung. Er bindet auf Wunsch auch Sträuße und fertigt Gestecke an. „Im nächsten Leben werde ich Gärtner ", sagt er und lacht. Seinen grünen Daumen stellt er in diesem Leben schon unter Beweis.